Happy Work

Interview mit dem Büroforscher Dr. Stefan Rief

Die Gestaltung des Arbeitsplatzes macht uns produktiver und zufriedener, sagt der Architekt und Büroforscher Dr. Stefan Rief. Das wirft einige Fragen auf.

Herr Dr. Rief, Sie setzen sich als Wissenschaftler am Fraunhofer IAO in Stuttgart mit den Zukunftsszenarien und der Performanzwirkung in der Bürogestaltung auseinander. Wie kann denn ein Arbeitsplatz zu mehr Produktivität und einem besseren Arbeitsgefühl beitragen?

Die Zukunft liegt nicht mehr bei der Betrachtung eines einzelnen Arbeitsplatzes, sondern in einem funktional und atmosphärisch vielfältigen Angebot an Arbeitssituationen, die wir je nach aktueller Aufgabe, aber auch nach aktuellem Bedürfnis, zum Beispiel nach Rückzug oder nach Nähe, nutzen werden. Das Ganze wird dann noch digital unterstützt, beispielsweise indem ich mich mit Peers aus meiner Organisation zusammenfinden kann, auf interessante Veranstaltungen hingewiesen werde oder sich gar die Umgebungsfaktoren wie Temperatur oder Licht auf Basis meiner individuellen Präferenzen digital anpassen.

Welche Qualitäten muss ein solcher Arbeitsplatz der Zukunft aufweisen?

Auf den Punkt gebracht muss er mir ein perfektes Produktivitäts- und zugleich Identifikationserlebnis bieten. Selbstverständlich muss er zudem gesund sein und mehr und mehr wird auch seine Umweltverträglichkeit in den Fokus rücken.

Der Elbtower steht ja auch für neue Formen der Arbeit und der Arbeitsorganisation. Wie beeinflusst denn die Ästhetik eines solchen Büros den Arbeitsplatz?

Es gibt einen positiven Zusammenhang zwischen der Zufriedenheit mit der räumlichen Umgebung und einem wohnlicheren Design. Die Ästhetik hat einen Einfluss, da sie zum Beispiel einen Ausdruck der Wertschätzung darstellt und auch so empfunden wird.

Wie sollte denn die innenarchitektonische Handschrift in der Arbeitsumgebung zur Geltung kommen?

Ich bin sicher, dass eine gelungene innenarchitektonische Gestaltung zu Funktionalität, Identifikation und Wertschätzung beiträgt. Deswegen sollte diese sicht- und spürbar sein.

Was meinen Sie, wie werden wir in zehn oder zwanzig Jahren zusammenarbeiten?

Auch mittels virtueller und virtuell überlagerter, das heißt eine sogenannte Augmented Reality. Da sind spannende Entwicklungen im Gang und ich habe neulich erst an eine solchen Meeting mit einer VR-Brille in einem wirklich großartig gestalteten, aber nicht wirklich existierenden Raum teilgenommen. Dennoch werden wir uns auch immer noch in Präsenz treffen. Ein wenig ist das ja, wie mit Monumenten, die wir vielleicht schon zigmal in Filmen gesehen haben, irgendwann will man mal selbst hin. So wird das auch mit den Menschen sein, die wir virtuell getroffen und schätzen gelernt haben.