Der Himmel rückt näher – mit 7 Metern pro Sekunde

Schindler-Aufzüge im Elbtower

Elbtower von Oben

245 Meter – das ist in Hamburg keine große Entfernung. Zwei bis drei Minuten braucht man für eine solche Strecke, die, sagen wir mal, vom Heck bis zum Bug eines mittleren Hapag Lloyd-Containerschiffes führt. Anders sieht es aus, wenn es senkrecht nach oben geht. Wenn der Elbtower in einigen Jahren den Schlusspunkt der HafenCity setzt, sind vom Erdboden bis zur Spitze 245 Höhenmeter zu überwinden. 

Simulationen zeigen, wer wohin wollen wird
Der Elbtower als Besucher-Magnet: Bis zu 3.000 Menschen werden in Deutschlands dritthöchstes Gebäude strömen, Tag für Tag. Büroangestellte, Hotelgäste, Fitnessclub-Besucher und Einzelhandelskunden, Spaziergänger und Gourmets, Stadtbummler und Touristen wollen zu ganz unterschiedlichen Zielen, die sich über die 64 Etagen des Gebäudes verteilen.   

Diese Verkehrsströme zu bewältigen, ist Aufgabe des Bauherren und der Gebäudebetreiber, Architekten und anderer Planer. Denn tausende Menschen durch ein Gebäude zu befördern, ohne dass es zu langen Wartezeiten oder Staus vor den Aufzügen und Treppen kommt, ist eine verzwickte Aufgabe. „Wir haben dafür ziemlich umfassende Verkehrssimulationen durchgeführt“, sagt Jürgen Blank, der beim Aufzugbauer Schindler den Bereich Projektgeschäft und neue Technologien leitet. Schindler hat kürzlich den Auftrag erhalten, den Elbtower mit der nötigen Aufzugtechnik auszustatten. 

Im Vorfeld haben Fachleute die Nutzung des Gebäudes untersucht und für die einzelnen Geschosse Belegungsquoten erstellt. Weil Bewegungen in Highrise-Gebäuden nach bestimmten Mustern ablaufen, fließen die Quoten mit Erfahrungswerten zusammen, die Schindler in anderen Hochhäusern gewonnen hat. „Kritisch sind zum Beispiel die Frühverkehre, wenn viele Menschen ins Gebäude kommen. Auch mittags kommt es zu großen Aufkommen, wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Büros essen wollen“, erläutert Blank. Aus den Verkehrsprognosen erstellen die Techniker dann Simulationen, die angeben, wo und wie viele Transportmöglichkeiten angeboten werden müssen. 

Jürgen Blank – © Schindler

15 Schnellläufer und ein Panoramaaufzug
Insgesamt 40 Aufzüge bringen Menschen im gesamten Elbtower zu ihrem Ziel. Zehn Mehrfachschächte werden dafür angelegt, sechs davon ziehen sich durch die Geschosse über dem Sockel. 16 sogenannte Schnellläufer fahren in knapp 40 Sekunden die obersten Etagen des Turmes an. Und wer auf die Panoramaplattform im 55. Obergeschoss möchte, der fährt mit dem Panoramaaufzug nonstop von der 1. Etage aus durch. Bis zu 800 Menschen können so in einer Stunde zur schönen Aussicht befördert werden.  

Bis zu sieben Meter in der Sekunde legen die Aufzüge dafür zurück, umgerechnet rund 25 km/h. Zwar ist ein höheres Tempo möglich, aber im Elbtower nicht sinnvoll, erläutert Blank. Sie werden meist in den sehr viel höheren Wolkenkratzern gefahren, wie wir sie aus den Metropolen in Asien kennen.

Das Zielwahlsystem trennt Nutzergruppen
Damit die Menschen in den täglichen Verkehrsströmen ohne lange Wartezeiten zu ihren Etagen und Zielen kommen, erhält der Elbtower ein intelligentes Zielwahlsystem. Schindler PORT nennen die Fachleute vom Aufzugbauer dieses System, das Geschwindigkeiten und Transportkapazitäten je nach Verkehrsaufkommen und Tageszeit steuert.
Dabei sind Aufzugskabinen, Bedienelemente und Steuerungen digital vernetzt. Algorithmen berechnen vorab, wer wann wohin gelangen möchte. Sie stellen dann entsprechende Kabinen bereit, um die Fahrgäste auch zu Spitzenzeiten schnell zu transportieren.
Dabei müssen die Aufzugsplaner auch einen anderen Aspekt berücksichtigen: Der Elbtower wird eine Multi Tenant Immobilie sein, in der sich viele verschiedene Mieter wiederfinden. Unternehmen, Geschäfte und andere öffentliche Einrichtungen bringen unterschiedlichste Menschengruppen zu unterschiedlichen Verkehrszeiten zusammen. Das PORT System trennt die Nutzer-Gruppen und vermeidet, dass beispielsweise Hotelgäste abends über die Büroetagen geführt werden oder sich Einzelhandelskunden im Restaurant wiederfinden.

Mehr Technik für weniger Energie
Die umfassende digitale Vernetzung gehört zum Konzept des Elbtowers. Das Smart Building bindet auch die Aufzugstechnik ein: Die Kabinen speisen Bremsenergie ins Hausnetz zurück. Und das Transit Management kann im Öko-Modus den Energieeinsatz der Aufzüge in weniger genutzten Gebäudeteilen reduzieren. „Das kann gerade bei einem hohen Gebäude wie dem Elbtower zu signifikanten Ergebnissen führen“, sagt Blank.

Längst schon arbeiten die Projektteams mit Hochdruck an den Bau- und Montagezeichnungen. Denn mit dem Rohbau wachsen auch die Schächte in die Höhe, Baufaufzüge transportieren Material und Bauarbeiter. Die Planungen für die Aufzüge, die in einigen Jahren die ersten Besucherinnen und Besucher in die luftige Höhen des Elbtowers heben, haben vor Monaten begonnen. Lange bevor die Baugrube für den Turm fertig ist.

Dachterrasse des Elbtowers